Zugvogel unterwegs
Zugvogel unterwegs

Iseosee/Italien

Auf der Suche nach dem Sommer

08. September bis 21. September 2011

 

 

 

Donnerstag, 08. Sept. 2011

 

Der Sommer 2011 im Norden Deutschlands verdient diesen Namen nicht, er hat eigentlich gar nicht stattgefunden. Das ist auch der Grund, warum wir unsere Urlaubspläne ganz spontan geändert haben. Unsere Reiseplanung für Polen ist abgeschlossen, aber je länger dieser "Nichtsommer" andauert, je öfter überdenken wir unsere Planung und haben uns dann letztendlich entschieden, wir suchen den Sommer, irgendwo muss er ja sein.

Also machen wir uns auf, Richtung Italien. Der Iseosee wurde uns von unseren Bekannten empfohlen, die Fotos, die wir gezeigt bekamen, haben uns dann überzeugt, und auch die Wettervorhersage über das Internet ist sehr vielversprechend.

Das Wohnmobil steht fertig gepackt in der Einfahrt, wir starten um 04.15 Uhr, es ist stockdunkel und - wie sollte es anders sein - es regnet. Endlich haben wir mal Glück, der Elbtunnel ist frei, wir passieren ihn ohne Stau! Erste Pause um 06.20 Uhr Rasthof Harburger Berge, ein leckeres Frühstück, Fahrerwechsel, weiter geht's. Es gibt keine Probleme während unserer Fahrt, immer mal wieder Regen, auch Starkregen und viel Wind, es ist kalt 14/15 Grad C, das ist doch kein Sommer!!!

Wir fahren die A 7 bis Hannover, dann die A 2 Braunschweig-Magdeburg, A 14 Halle-Leipzig - A 9 Bayreuth - Nürnberg. Ca. 100 km vor München fahren wir um 16:45 Uhr den Campingplatz Greding an, der liegt Nahe der AB, kostet 13 € mit Strom, die Sanitäranlagen sind gut, Brötchenservice gibt es auch. Abends gehen wir noch in dem Restaurant am CP den Federrosé probieren, dann ab ins Bett, das war eine lange Fahrt, 859 km haben wir heute geschafft.

 

 

Freitag, 09. September 2011

 

Heute ist mein Geburtstag, Freundin Ute ist die erste, die anruft, Frühaufsteher wie wir. Leider ist das Wetter noch nicht besser, es nieselt leicht und ist kalt. Um kurz vor 9 Uhr machen wir uns auf Richtung Österreich. Wir halten am Rastplatz Vaterstetten, kaufen hier die 10-Tage-Vignette für Österreich (7,90 €).  Das Wetter wird immer besser, die Sonne kommt durch und es wird wärmer. Gegen Mittag erreichen wir Kufstein. Hier machen wir Halt, genießen bei Sonnenschein einen Spaziergang durch die Stadt, im Innenstadtbereich wird kräftig gebaut, Baulärm und Behinderungen auf den Gehwegen muss man da halt hinnehmen.  Ein leckeres Mittagessen mit Musik von der "Heldenorgel" im Hintergrund genießen wir ungetrübt.

Wir wählen für die Weiterfahrt Richtung Innsbruck die Strecke neben der AB, aber viele Kreisel  nerven, so geht es wieder auf die Autobahn. Um 15 Uhr sind wir in Innsbruck, finden einen guten Parkplatz und machen uns auf in die Altstadt. Meinen Geburtstagskaffee genießen wir mit Blick auf das "Goldene Dachl". Wir bummeln durch die Altstadt mit ihren vielen schönen Häusern und kleinen Gassen. Dann noch ein leckeres Eis und weiter geht es Richtung Brenner. Unser Navi nennt uns einen CP, der noch vor dem Brenner liegt, in Telfes im Stubaital. Wir passieren die Europa-Brücke und dann macht unser Womo schlapp, die Temperatur steigt, wir fahren schnell auf den nächsten Rastplatz, der zum Glück nicht weit ist. Schon wieder der Lüfter!!! Ist doch erst vor 1 Jahr für teuer Geld repariert worden, und nun geht er schon wieder nicht. Wir füllen Wasser auf und fahren zum CP, es geht alles glatt und auf einmal geht dann der Lüfter wieder.

Um zum CP zu kommen, passieren wir eine Mautstelle, hier werden uns noch mal 8 € abgeknöpft für die Fahrt ins Stubaital.

Sonnen-Camping in Telfes, 1 Ü mit Strom und Sanitärbenutzung 24 €.

Wenn man einen Stellplatz möchte, steht man vor dem CP, kann die Sanitäranlagen nicht benutzen und hat keinen Strom.

Die Sanitäranlagen sind einmalig, sehr neu, sehr sauber, alles tip top, schicke Glastüren, ein tolles Design und eine super Anlage.

Der Platz ist ruhig gelegen, Blick in die Berge, im Hintergrund ein kleiner Ort, ab und zu Kuhglockengeläut - romantisch!!!!

 

 

Samstag, 10. Sept. 2012

 

Ohne Probleme zieht unser Zugvogel über den Brennerpass Richtung Süden. Um den Lüfter zu entlasten,  haben wir die Heizung samt Gebläse voll aufgedreht, Fenster auf, wir haben es "kuschelig warm", draußen sind sommerliche Temperaturen von ca. 25 Grad C.

Maut über den Brenner: 8 € für Kfz bis 3,5 t

Wir fahren auf der E 45 Sterzing - Brixen - Bozen - am Gardasee entlang -Trento - an Verona vorbei über Brescia und kommen gegen 14 Uhr in Iseo an. Wir haben unseren Platz in der 1. Reihe auf dem CP schon im voraus reserviert, wir sind einen Tag früher angereist,  zu unserem Glück sind die "Vormieter" früher abgefahren und so können wir uns unter der Anleitung des CP-Besitzers auf unseren Platz stellen. Er nimmt es sehr genau, wie und wo man zu stehen hat. Heinke und Karsten sind schon seit ein paar Tagen hier und ich finde sie dann auch schnell ein paar Plätze weiter. Wir richten uns ein, es muss natürlich auch gleich gebadet werden, das Wasser hat 23-25 Grad C und ist glasklar. Abends sitzen wir noch lange draußen, jetzt beginnt der Urlaub!!!!

 

 

Sonntag, den 11. September 2011

 

Kurz nach 7 Uhr morgens wage ich einen Blick aus dem Fenster, es ist noch ganz ruhig auf dem CP, der See lädt ein zum Bade. Ich genieße in der Frühe das Bad, ganz allein mit den Enten, die mich neugierig umschwimmen und beobachten.

Es ist warm, die Tagestemperatur geht heute auf 28 Grad C.

Nachmittags fahren wir mit Heinke und Karsten mit den Rädern in den Ort, es ist viel Trubel dort wegen einer Sportveranstaltung.

Abends grillen wir zusammen und sitzen noch lange draußen.

Nachts gegen 1 Uhr kommt ein Gewitter auf und ein Sturm bricht los. So etwas hab ich noch nie erlebt, als ich aus dem Fenster blicke, sehe ich, wie ein Tisch an unserem Womo vorbei fliegt. Ich denke nur an die aufgeblasene Luftmatratze, die am Womo lehnt, nur durch einen Stuhl beschwert. Detlef pennt, der bekommt nichts mit! Im Nachthemd traue ich mich nach draußen, sammle unsere Sachen ein und werfe sie einfach nur ins Womo. Langsam kommt Detlef zu sich. Der Gewittersturm hält noch gut 2 Stunden an, dann ist erst wieder an Schlaf zu denken.

 

 

Montag, 12. September 2011 bis Sonntag, 18. September 2011

 

Viele müde Urlauber suchen jetzt ihre Habseligkeiten zusammen, die der Sturm über den Platz gefegt hat. Es gibt aber zum Glück keine Schäden zu melden. Das Wetter ist wieder schön, es weht noch ein kräftiger Wind, der im Laufe des Vormittages weniger wird. Es wird ein sehr warmer Tag, der Wind ist komplett eingeschlafen, wir sitzen abends noch lange mit Heinke und Karsten draußen, es ist ihr letzter Abend hier.

 

DOLCE VITA - das ist jetzt unsere Leben hier. Draußen am Wasser frühstücken, auf der Liege liegen und faulenzen, lesen, lesen, lesen, zwischendurch Abkühlen im See. Abends mit Kerzenlicht am Wasser sitzen und auf das andere Ufer blicken, wo fast jeden Abend ein kleines Feuerwerk abgebrannt wird. Die Wellen plätschern an den Strand, es ist sehr ruhig hier auf dem CP, wir genießen diese Zeit.

 

Im Supermarkt gibt es frische Nudeln, die werden ausprobiert - wow die sind so was von lecker!!! Wir futtern uns durch verschiedene Sorten, leider ist die Zeit zu kurz, um alle zu probieren.

 

Wir haben nur schönes Sommerwetter und genießes es. Mit dem Rad fahren wir am Dienstag in den Ort, da ist Wochenmarkt. Lange muss ich suchen, bis ich Salatgurken finde, sie sind viel härter und kleiner als bei uns, auch vom Geschmack nicht wirklich das, was man kennt.  Die Weintrauben sind oberlecker, kann gar nicht genug davon bekommen. Auf dem CP ist eine Amsel, die sieht leicht zerrupft aus, hat wohl einen schweren "Rivalenkampf" hinter sich, diese Amsel mag die Weintrauben auch, sie kommt mehrmals am Tag vorbei, um sich eine abzuholen.

 

Am Freitag machen wir einen Ausflug mit dem Schiff von Iseo aus auf die Insel Monte Isola. Wir kommen in der Mittagszeit an, ist nicht viel los hier, wir spazieren ein wenig an der Promenade entlag, sie ganz zu umwandern, dazu ist es uns zu heiß, die Temperaturen liegen heute wieder locker nahe 30 Grad. Wir gönnen uns einen Eisbecher, dann fahren wir wieder mit dem Schiff zurück.

 

Samstagnacht erleben wir wieder ein starkes Gewitter, mit Starkregen und Sturm mit Orkanböen. Da wir schon nachmittags gemerkt haben, dass sich da was zusammenbraut, haben wir unsere Sachen ins Womo gepackt, damit nichts durch die Gegend fliegt. Aber diesen heftigen Sturm haben wir nicht erwartet. Es geht die ganze Nacht, das Gewitter kommt und geht, der Sturm heult um das Womo, rüttelt uns kräftig durch, und der Regen prasselt nur so runter. Irgendwann fängt es an, aus der Dachhaube über meinem Bett zu tropfen, alle paar Minuten ein Tropfen, na toll, und der trifft genau in mein Bett. Ich lege ein Handtuch auf die Stelle, muss mich dann aber drum herum drapieren, um nicht "betropft" zu werden. An Schlaf ist in dieser Nacht nicht zu denken. Unsere Nachbar sind mehrmals draußen und sichern ihren Wohnwagen, ein Stück weiter versuchen mehrere Männer die Markise eines Wohnmobils zu retten, was auch gelingt. Man hat das Gefühl, die Welt geht unter. Erst gegen Morgen finden wir noch für knappe 2 Stunden Schlaf.

 

Am nächsten Morgen hört dann plötzlich der Sturm auf, auf dem Platz wird aufgeräumt, über die Nacht gesprochen. Der Wohnwagen unserer Nachbarn ist vom Sturm um ettliche cm verrückt worden, aber große Schäden gibt es nicht zu vermelden. Am Strand sieht es schlimm aus, alles voller Seegras, massenweise, ein Surfbrett ist angeschwemmt und viele andere Sachen. Da hat der CP-Besitzer viel zu tun, um das wieder benutzbar zu machen.

Die Berge im Hintergrund haben eine weiße Mütze bekommen - Schnee!

 

 

 

 

 

 

Montag, den 19. September 2011

 

Heute ist Abreisetag. Wir packen,  räumen die restlichen Sachen ein, Abrechnung mit dem Campingplatz. Das Wetter wird wieder schön, es ist warm und nach und nach verschwinden die Wolken. Wir fahren am Iseosee entlang, ein letzter Blick auf den See und Monte Isola.

Unsere 12-Volt Batterie fängt an zu müffeln, gast aus. Wir versuchen, eine Werkstatt dafür zu finden, aber die Verständigung ist schlecht, klappt nicht. Nachdem wir dann Rat bei Karsten geholt haben, werden wir bis Deutschland damit fahren. Fenster auf und hoffen, dass alles gut geht.

Je höher wir in der Schweiz kommen, je kälter wird es, dann liegt auch noch Schnee, und es wird immer mehr. Unser Navi gibt an, dass der Pass nach Livigno gesperrt ist. Das wollen wir nicht glauben, schließlich wollen wir doch dort günstig tanken. Aber unsere Hoffnung schwindet von Kilometer zu Kilometer, je höher wir uns am Bernina-Pass schrauben. Tiefster Winter und Schneefall, und dann erwischt es uns doch, "Pass nach Livigno gesperrt" steht am Abzweiger. Uns bleibt jetzt nichts weiter übrig, schnell wird unsere Reiseroute geändert, statt "vignettenfrei" durch die Schweiz, heißt es jetzt den kürzesten Weg zur Autobahn. Wir erklimmen dann den Bernina-Pass (2.328 m) und fahren Richtung St. Moritz, kommen dort um 15:30 Uhr an. Auf der Suche nach dem Campingplatz, fragen wir einen Polizisten, der an einer Straßensperrung steht. Die Straße zum CP ist gesperrt, der CP geschlossen, weil zugeschneit. Toll!!!! Vor lauter Abenteuer durch die verschneiten Berge haben wir überhaupt nicht an Essen und Trinken gedacht. Jetzt knurrt der Magen, einen Imbiss o.ä. können wir hier im mondänen St. Moritz nicht finden, also gehen wir in ein Café, bestellen 3 Stck. Obstkuchen und 2 Tassen Kaffee, das kostet dann ca. 27 Euronen - wow!!!! Auch das Tanken war teuer, statt des günstigen Diesels in Livigno (unter 1 €uro), mussten wir nun in der Schweiz fast 2 Euro/Liter zahlen!!! Das hebt nicht gerade die Laune, wir verlassen St. Moritz Richtung Chur, dazu müssen wir noch den Julier-Pass (2.284 m) überwinden. Auch hier kämpfen wir uns durch die verschneiten Berge. Der Alpabtrieb der Rinder ist in vollem Gange, mit großen Viehtransportern werden die zuvor in einem großen Pferch gesammelten Tiere verladen. Sie stehen fast bis zum Bauch im Schnee, für sie kam der Wintereinbruch auch völlig überraschend. Bevor es ganz dunkel wird, finden wir in einem Örtchen in den Bergen (Heidiiiiii - Heidiiiii!!!!) vor einer Gastwirtschaft einen Stellplatz. Wir dürfen für 15 Euro auf dem Parkplatz stehen. Die Gastwirtschaft wird nicht mehr bewirtschaftet, wir kommen uns vor wie am Ende der Welt. Ich hab immer darauf gewartet, dass irgendwann der Alpöhi um die Ecke kommt, oder der Geißenpeter. Wir bruzzeln uns ein leckeres Essen, trinken noch einen Obstler aus Tirol und gehen um 20:15 Uhr ins Bett. Lesen ist nicht, wir müssen Strom sparen. Die Gasheizung hüllt uns in eine wohlige Wärme und wir schlafen tief und fest durch bis morgens um 7:00 Uhr. Irgendwann ist dann noch ein zweites Wohnmobil dazu gekommen, wir haben nichts mitbekommen, haben geschlafen wie die Murmeltiere. Es ist sehr neblig, zum Glück hat es nicht mehr geschneit.

Ausgeruht fahren wir weiter Richtung Chur, jetzt geht es nur noch bergab und je tiefer wir kommen, desto grüner wird es. Unten liegt kein Schnee mehr, die Sonne kommt durch. In Vaduz/Liechtenstein machen wir mittags einen Stopp. Auch hier nur exklusive Geschäfte, kaum Menschen in der Fussgängerzone und genau so teuer wie in der Schweiz. Hier bleiben wir nicht sehr lange, machen uns auf den Weg Richtung Lindau am Bodensee. Wir fahren noch ein Stück durch die Schweiz, dann kommen wir wieder nach Österreich, in Hard wird noch mal günstig getankt und gegen 14:00 Uhr sind wir wieder in Deutschland. Bis Sommershofen (Nähe Würzburg) fahren wir heute noch, dort haben wir im Bordatlas einen schönen CP gefunden, Camping-Paradies Franken, den wir anfahren. Es ist sommerlich warm, der Platz sehr schön ruhig gelegen, in einem Vogelschutzgebiet. Alles ist fast neu hier und der Platzbetreiber mit seiner Familie sehr nett. Wir gönnen uns ein Abendessen in dem Restaurant vom CP, feiern unseren letzten Urlaubstag.

 

 

 

 

Mittwoch, den 21. September 2011

 

Blauer Himmel und Sonnenschein, wir starten Richtung Heimat gegen 09:00 Uhr. Wir kommen gut durch, keine Staus, kein Unfall, in Fulda-Nord machen wir noch mal einen Stopp um uns zu stärken, dann halten wir wieder bei Soltau, Soltauer Heide. Hier muss Detlef das hintere Rohr vom Auspuff abbauen, das ist abgebrochen und dröhnt gegen den Unterboden. Mit einem verkürzten Auspuff machen wir uns auf den letzten Rest der Reise. In der Nähe von Hamburg kommen die ersten Wolken auf, es nieselt leicht. Der Elbtunnel macht glücklicherweise auch keine Probleme und so fahren wir um 19:30 Uhr zu Hause auf unsere Einfahrt.

 

Alle Fotos gibt es  HIER

Italien/Iseosee 2011

 

 

weitere Infos:

 

Diese Campingplätze können wir empfehlen:

 

Campingplatz Greding: www.hotel-bauer-keller.de

Sonnen-Camping, Telfes, Österreich: www.sonnencamping-stubai.at

Camping Iseo, Italien: www.campingiseo.it 

Camping Simmershofen: www.camping-paradies-franken.de

 

Wir sind insgesamt 2.860 km gefahren, haben 326,70 Liter Diesel getankt für insgesamt 477,67 Euro

 

Das ist ein Durchschnittsverbrauch von 11,6 l auf 100 km.

 

Die teuerste Betankung unseres Lebens mussten wir leider in der Schweiz vornehmen, 1,91 € pro Liter, das hat echt weh getan!

 

 

 

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© Ingvild Brodersen