Zugvogel unterwegs
Zugvogel unterwegs

Schweden vom 13. bis 27. Juni 2013

 

 

Prolog

Am Montag vor der Abreise böse Überraschung, Zugvogel hat einen Plattfuß, zum Glück ist nur das Ventil defekt und der Schaden schnell behoben!

 

Eine meiner "Macken" ist: Ich fahre nie (!) mit einem schmutzigen bzw. stark staubigen Auto in Urlaub!!!!

 

Mein Mann sieht das ganz anders, aber ich bin da eigen, also wird der Zugvogel noch am Mittwochnachmittag von außen gewaschen (auch wenn der Wetterbericht für morgen Regen voraus gesagt hat!) und geputzt, das ist sowieso meine Aufgabe, das lass ich keinen anderen machen. Innen ist schon vorher alles top, nun kann die Reise los gehen!

Donnerstag, 13. Juni 2013

Am Nachmittag starten wir bei trüben Wetter, unser Ziel ist Burg auf Fehmarn. Kurz vor Fehmarn setzt dann kräftiger Regen ein, die Scheibenwischer sind irgendwie aus dem Takt, ab und zu verheddern sie sich. Bei unseren Freunden und Vorbesitzern vom Zugvogel wird das Problem erst einmal gelöst, dann genießen wir einen gemütlichen Abend zusammen, am nächsten Tag starten wir von hier aus zur Fähre nach Puttgarden.

 

Tages-km 175

 

 

Freitag, 14. Juni 2013

Um 8:45 Uhr machen wir uns auf den Weg, das Wetter ist trübe und sehr windig, das könnte eine schaukelige Überfahrt mit der Fähre werden. Wir verstauen vorher noch  unsere Fahrräder im Innenraum, einfach aus dem Grund, weil wir mit Rädern auf dem Gepäckträger viel mehr Mautgebühr an der Öresundbrücke zahlen müssen, da wir dann über 6 m Länge kommen.

Beim Fähranleger in Puttgarden geht es zügig voran, wir sind schnell am Ticketschalter und können gleich auf die Fähre nach Rödby/Dänemark fahren, die pünktlich um 9:15 Uhr ablegt.

 

Fähre für unser Womo (unter 6 m): 87 €

 

Und wie schon befürchtet, es schaukelt gewaltig, aber das macht uns nichts aus. Wir lassen uns oben an Deck den Wind um die Ohren sausen und freuen uns, dass die Sonne durch die Wolken kommt. Um 10:10 Uhr verlassen wir die Fähre, bis Kopenhagen sind es jetzt noch 150 km.

 

An der Mautstation hinter der Brücke zahlen wir dann 395 SEK (47 €).

Wir umfahren Malmö, auf der E 20/E6 fahren wir Richtung Helsingborg, dort nehmen wir die E 4 bis Markaryd. Hier halten wir nachmittags zu einer "Älg & Bison-Safari", vom Parkplatz gehen wir zu dem Hof aus dem 18. Jahrhundert, es gibt hier ein Café und einen Shop, hier bezahlen wir den Eintritt für die Safari. Wir können mit dem Womo durch den Park fahren, auf "Elchsafari" gehen. Ganz langsam schlängeln wir uns auf den vorgegebenen Wegen durch den Wald, anfangs können wir noch keine Elche ausmachen, sind schon etwas irritiert, als wir einen Plastikelch sehen. Aber dann entdecken wir doch  drei Elchbullen, die ganz gelassen bleiben, als wir mit dem Womo dicht an sie heran fahren und filmen, später sehen wir noch eine Elchkuh mit ihrem 3-4 Wochen alten Nachwuchs, sie bleibt mit ihrem Jungen aber lieber zwischen den Bäumen, im Gehölz beobachten wir mehrere Elchkühe. Alle Tiere bleiben ruhig und lassen sich überhaupt nicht stören. Der gesamte Rundkurs durch den Park ist ca. 3 km lang, aussteigen ist strengstens untersagt, eine Abzweigung, die wir leider verpasst haben, führt noch zu einem gesonderten Bisongehege.

Eintritt für 1 Wohnmobil einschl. 2 Erwachsenen 160 SEK (ca. 20 €).

 

Auf der E 4 geht es weiter an Ljungby vorbei bis Värnamo, hier wollen wir übernachten und fahren den Campingplatz an, der sehr schön in einem Wald liegt, ein Badesee ist in 5 Min. Fußweg zu erreichen.

Wir checken ein und dürfen uns einen freien Platz suchen, uns gefällt es hier im Wald, es ist ruhig, keine Mücken (!), nur wenige Miethütten sind besetzt. Die Sanitäranlagen sind annehmbar.

 

Värnamo Camping, 1 Übernachtung 150 SEK (ca. 18 €) ,  Strom 45 SEK (ca. 5,50 €), W-Lan kostenlos

 

Tages-km 455

 

 

Samstag, 15. Juni 2013

 

Wir haben sehr gut geschlafen hier unter den hohen Tannen, Vogelgezwitscher hat uns morgens beim Aufwachen geholfen, das Wetter ist gut, blauer Himmel und weiße Wolken....

 

Unser Ziel ist heute Hjo am Vättern. Wir fahren die E 4 weiter bis Jönköping, ab Bankeryd die 195 am See entlang bis Hjo. Wir kommen nur sehr langsam voran, hunderte Radfahrer sind in die gleiche Richtung unterwegs, wir immer zwischendurch, es ist schon sehr zeitraubend und auch nervig. Endlich sind wir in Hjo angekommen, die kleine Stadt ist gesperrt, wegen der Vätternrundfahrt. Jetzt endlich haben wir kapiert, warum hier sooo viele Radler unterwegs sind. Es ist die größte Amateurfahrradtour der Welt, 19.400 Teilnehmer in diesem Jahr und es geht über 150 km bzw. 300 km, und wir mittendrin. Keine Chance, den schönen Hafen zu besichtigen und in den Ort zu kommen. So planen wir um und entscheiden, an den Vänern zu fahren, um dem Trubel hier zu entkommen. Wir landen letztendlich gegen 14:00 Uhr  in Sjötorp am Göta-Kanal. Der Stellplatz liegt direkt am Kanal und der Schleuse, er ist ziemlich belegt, aber wir finden noch ein nettes Plätzchen und entschließen uns, hier zwei Nächte zu bleiben.

 

Im Cafè Baltzar stärken wir uns mit Kaffee und leckeren Waffeln, sitzen draußen in der Sonne mit Blick auf den Kanal. Dann setzen wir uns vor das Womo und lesen, zwischendurch holt Detlef uns ein leckeres Eis. Es ist das erste  Kugeleis von Langnese in diesem Urlaub und noch viele werden folgen!

 

Abends fahren wir mit dem Rad zum Hafen (Marina), ganz an der Spitze des Hafens gibt es ein romatisches Plätzchen, wir packen unsere Gläser aus und genießen den "Hugo" mit Blick auf den Vännern. Eine ganze Weile sitzen wir noch hier, aber dann vertreiben uns die Mücken.

 

Der Stellplatz kostet für 2 Nächte einschl. Strom, WC und Dusche 370 SEK (ca. 48 €)

 

Mit diesen Sanitäranlagen habe ich so meine (ganz persönlichen) Probleme, da sie nicht nach Damen und Herren getrennt sind (in Schweden ist das so fast überall üblich), für alle in einem großen Raum, eine Seite WC's und gegenüber auf der anderen Seite die Duschen, nur durch Holzwände, die oben und unten offen sind, getrennt. Nein, das ist nicht wirklich mein Ding und ich hoffe, dass ich das nicht überall auf den CP habe.

 

Tages-km 231

 

 

Sonntag, 16. Juni 2013

 

Mit dem Fahrrad fahren wir am Göta-Kanal entlang, es lässt sich gut fahren und immer wieder findet man ein schönes Plätzchen zum Verweilen.

 

Auf einmal hält Detlef an und zeigt mir mitten auf dem Radweg eine kleine Meise, sie muss gerade aus dem Nest gekommen sein. Wir stellen uns vor sie, damit die anderen Radler sie nicht überfahren, wir haben den Eindruck, sie kann noch nicht fliegen. Im Gebüsch  hören wir die Meisenmama rufen. Ich will den kleinen Vogel vorsichtig in die Hand nehmen und in den Busch setzen, schwupp, auf einmal sitzt er auf meinem Zeigefinger, ich bin ganz überrascht, da sitzt er nun und fängt an zu piepen, ich antworte ihm und so geht es eine Weile, vor lauter Freude (?) kleckert er mir auf die Hand. Ich gehe mit meiner Hand nahe ans Gebüsch und auf einmal fliegt die kleine Meise auf einen Ast, im Hintergrund ruft die Meisenmama, Familienzusammenführung geglückt, alle sind happy, tschüss und adjö kleine Meise und weiter geht die Fahrt.

Wir fahren ca. 8 km und kommen in den Ort Lydestad, hier besuchen wir den kleinen Supermarkt und stöbern ein bißchen durch den Laden, kaufen etwas Gebäck für eine Pause am Kanal. Wieder draußen vor dem Geschäft, sehen wir die dunklen Wolken am Himmel, ein Gewitter droht. So machen wir uns auf den Heimweg, ich trete feste in die Pedale, will unbedingt dem Gewitter entkommen,  aber die Regenfront holt uns ein und wir müssen zweimal unter den großen Bäumen vor einem starken Regenguß Schutz suchen.

Das Grollen verzieht sich, die Sonne kommt wieder durch die Wolken, ein wenig durchnässt erreichen wir das Wohnmobil, hier machen wir es uns dann gemütlich, essen unseren mitgebrachten Kuchen und lesen, lesen, lesen.

 

 

 

Die Schleusen von Sjötorp

 

Montag, 17. Juni 2013

Es ist warm geworden, die Sonne scheint, wir fahren von Sjötorp nach Karlsborg am Vättern. Dort besichtigen wir die gigantische Festungsanlage, die riesigen Mauern und Wälle mit ihren Schanzen und Bastionen sind nicht weniger als fünf Kilometer lang! Noch heute sind hier die Husaren des Leibregiments K3, Fallschirmjäger und Ausbildungskompanien stationiert. Im Museum können wir uns gut über diese Festung und ihren Ursprung informieren.

 

 

 

Danach fahren wir weiter über Askersund nach Örebro, wo wir gegen 14:30 Uhr eintreffen, ein moderner Campingplatz in der Nähe eines großen Erlebnisbades ist unsere Wahl. Der Campingplatz ist super, riesig, alles wirklich vom Feinsten, aber auch der Preis, ach was soll's, wir haben Urlaub! Wir checken ein und wollen dann das Angebot des Campingplatzes in Anspruch nehmen, nämlich kostenloser Aufenthalt im Erlebnisbad nebenan. Es ist durch einen Zaun vom Campingplatz getrennt, wir beladen unsere Räder mit den Badetaschen und machen uns auf ins Bad. Am Übergang ist ein Tickethäuschen, hier belehrt man uns, dass der freie Eintritt nur für den Außenbereich des Bades gilt und unsere Räder müssen wir hier abstellen, die sind nicht erlaubt. Upps, was nun? Es ist noch ein zielmlich langer Weg bis zum Bad, und dann nur in den überfüllten Außenbereich? Nee, dann doch lieber nicht, wir kehren um und setzen uns draußen vor das Womo und relaxen ein wenig. Abends gehen wir in die Galerie, kleine Läden reihen sich hier aneinander, aber erstaunlich wenig Besucher hier, im Restaurant lockt uns die Pizza, geschmacklich ganz gut, aber viel zu hart, war kaum zu schneiden. Das Essen hier kam dann 188 SEK (ca. 24 €), immerhin gab es kostenlos Wasser dazu, na ja, bei der harten Pizza auch notwendig!!!!!

 

Abends um 21:30 Uhr scheint noch immer die Sonne, herrlich.

 

Campingplatz Gustavsvik, 1 Übernachtung einschl. Strom und W-Lan 410 SEK (ca. 50 €)

Der Preis ist schon heftig, aber hier bleibt kein Wunsch frei, vom TV-Raum über die Hundedusche zum Wohnmobil-Waschplatz, alles super und modern, die Sanitäranlagen sind sehr sauber, wie der gesamte Servicebereich, und alles nach Männlein und Weiblein getrennt!

 

Tages-km 169

 

Dienstag, 18. Juni 2013

 

 

Herrliches Sommerwetter, das Thermometer klettert auf fast 30 Grad C in der Sonne. Wir frühstücken in aller Ruhe und lassen uns Zeit mit der Abfahrt. Um 11 Uhr machen wir uns auf in Richtung Mora am Siljansee, wo wir die Mittsommernacht erleben möchten. Ich versuche dort telefonisch einen Campingplatz zu buchen, aber alles ist schon ausgebucht, die Mittsommernacht wollen viele hier verbringen. Schade, so machen wir uns auf Richtung Leksand, 5 km entfernt in Västanvik haben wir Glück und bekommen einen wunderschönen Platz direkt am See, leider nur bis Donnerstag, dann müssen wir umziehen nach weiter oben, weil die meisten Plätze schon vorgebucht sind.

 

Wir richten uns ein und freuen uns über diesen tollen Platz, wollen ihn genießen, bevor wir nach oben ziehen müssen.

 

Tages-km 362

 

 

 

Nachts um 3 Uhr werde ich wach, es ist fast taghell, im Nachthemd schleiche ich mich aus dem Womo und mache Fotos. Ich bin erstaunt, dass es wirklich nicht dunkel wird, langsam kommt am Horizont auch schon wieder die Sonne hoch. Ich finde es einfach nur grandios.

Morgens um 3 Uhr am Siljansee
Morgens um 3 Uhr am Siljansee

Mittwoch, 19. Juni 2013

 

Heute ist Faulenzertag! Das Wetter ist optimal dafür, Sommer, Sonne, blauer Himmel!

 

Wir genießen einfach nur diesen schönen Ort, immer wieder blicken wir auf den See, der Ruderverein trainiert, wir hören die Komandos, das Ausflugschiff nach Leksand ist zu sehen, die Kirchenglocken von der Kirche in Leksand sind zu hören, es ist eine traumhafte Atmosphäre hier. Fernab vom Alltag, kein Internet, kein Handy, kein TV, nur unsere Bücher und der Siljansee - ach ist das schön!

 

 

Donnerstag, 20. Juni 2013

 

 

Nach dem Frühstück ziehen wir mit dem Womo auf einen Platz im oberen Bereich des Campingplatzes, von hier können wir den See leider nicht mehr sehen.

 

 

ein Wahrzeichen Schwedens: das Dalapferd

 

Danach fahren wir nach Dalarna, erster Halt ist in Nusnäs, der Wiege der berühmten Dalapferde. Selbst heute, in unserer computergesteuerten Welt, ist bei der Herstellung der Dalapferdchen noch vieles Handarbeit und wir können die Werkstätten besichtigen und den Schnitzern, Malerinnen, Lackierern und Handwerkern bei der Arbeit zusehen. 1939 waren die handgeschitzten Pferdchen auf der Weltausstellung in New York zu sehen und sind eines der Wahrzeichen Schwedens geworden. Ein Pferdchen haben wir uns nicht gekauft, aber ein paar Holzclogs mit dem traditionellen Muster für mich und unsere Enkelin müssen mit.

In Nusnäs ist ein Kirchboot aus dem Jahre  1858 ausgestellt.

Weiter geht die Fahrt, in Mora, am nordöstlichen Ufer des Siljansees, ist der nächste Stopp. Am Hafen finden wir einen Parkplatz, dann bummeln wir durch die Fußgängerzone, stärken uns mit leckerem Eis und Kuchen. Auf unserer Entdeckungstour durch Mora kommen wir an der markanten Kirche mit dem freistehenden Glockenturm vorbei, nicht weit davon finden wir das Zieltor des legendären Vasalaufs, gleich in der Nähe steht das Gustav Vasa Denkmal, geschaffen von dem Maler und Bildhauer Anders Zorn. Sein nobles Wohnhaus mit dem schönen Garten ist ein weiterer Besichtigungspunkt, leider ist das Haus heute nicht geöffnet, wir müssen uns mit der Außenansicht und dem Garten zufrieden geben.

Wir fahren am See entlang und machen in Tällberg Halt, ein malerisches Dorf, sehr schöne, gepflegte Häuser sehen wir hier. Wir parken in der Nähe eines Hotelkomplexes, viele kleine und größere Holzhütten bilden den Handwerkermarkt im Klockgården. Wir bummeln durch diesen sehr schön angelegten Garten, ein paar Kleinigkeiten werden gekauft und in "Annetts Glasverk" musste ich mich wirklich beherrschen, sooo viele schöne Sachen gab es da, eine wunderschöne Halskette in meinem Lieblingsblau durfte dann aber mit.

Halsschmuck aus Glas

Streifzug durch Klocksgården, in den Hütten haben die Kunsthandwerker ihre Läden

 

Auf dem Rückweg kommen wir durch Leksand, die Innenstadt ist abgesperrt. Wir parken in einer Seitenstraße und gehen dorthin, wo so viele Leute stehen. Wir gesellen uns dazu und können dann miterleben, wie der große Maibaum, auf schwedisch Majstång,  aufgestellt wird. Warum der Maibaum heißt? - keine Ahnung. Mit Ah's und Oh's wird dieses Manöver begleitet und es gibt viel Beifall, als der Baum endlich steht, übrigens der hier in Leksand ist Schwedens längster Maibaum

 

Als wir dann auf dem Campingplatz ankommen, staunen wir nicht schlecht, die Schweden sind eingefallen, der Platz ist voll, dicht an dicht stehen jetzt hier die Wohnwagen und Womo's, auch viele Zelte sind aufgebaut,  sie alle wollen die Mittsommernacht feiern; auf dem See ist schon die Party in Gang, wir hören bis Mitternacht, wie auf den vorbei ziehenden Booten gefeiert wird.

 

 

Freitag, 21. Juni 2013

Mittsommer - endlich ist es soweit! Die Schweden sind schon in Feierlaune, da sind sie wie die Kölner mit ihrem Karneval oder die Münchner mit dem Oktoberfest! Das Wetter weiß noch nicht so recht, wie es sich entscheiden soll, anfangs stark bewölkt, aber dann lockert es auf und die Sonne kommt durch. Am späten Nachmittag fahren wir mit dem Rad die 5 km nach Leksand. Wir wollen uns einen guten Platz sichern, man hat uns erzählt, dass ca. 30.000 Menschen zu dem Spektakel kommen werden. Anfangs kann ich es ja nicht so recht glauben, aber um 19 Uhr ist die Brücke voller Zuschauer, aus aller Herren Länder sind sie gekommen. Wir haben uns aufgeteilt, Detlef ist mit der Videokamera unten am Hafen und ich finde doch noch einen guten Platz auf der Brücke. Ich bin tief beeindruckt, dass so viele Leute, besonders auch die Jungen, mit Blütenkränzen im Haar zu sehen sind, alle sind sie fröhlich und ausgelassen, es herrscht eine tolle Stimmung hier.

 

Dann kann man die Kirchboote sehen, weit hinten auf dem See starten sie in Richtung Leksand. Als sie näher kommen, hört man die Musik, die auf einem der drei Boote gemacht wird,  Gänsehautfeeling. Alle in den Booten in Tracht, alle Boote schön geschmückt, langsam kommen sie näher und dann unter der Brücke durch in den Hafen. Die Boote legen an und die Gruppen gehen an Land und bereiten die Prozession durch den Ort vor. Eine Weile dauert es, dann kommen sie über die Brücke, mit Musik und Gesang, in wunderschönen Trachten, mit tollen Blumengebinden, groß und klein, jung und alt. So etwas habe ich noch nie erlebt und es nimmt mich gefangen, ich werde von der Stimmung angesteckt. Die Menschenmenge begleitet die Prozession, die an uns vorbei zieht. Wir wissen nicht, wo der Festplatz ist, auf dem nach dem Umzug die Folkloredarbietungen stattfinden werden, also schließen wir uns dem Umzug an. Kurz darauf fallen die ersten Regentropfen, wir wollen in einem italienischen Restaurant einkehren, aber das ist voll, die Idee hatten auch schon viele vor uns. Der Regen wird stärker, wir schwingen uns aufs Rad und fahren ein Stück, dann sehen wir an einer Straßenecke einen "Griechen", schnell das Rad abgestellt und dann rein ins Lokal. Keine Sekunde zu früh, denn in dem Moment öffnet der Himmel alle Schleusen, ein Wolkenbruch, wie ich ihn lange nicht erlebt habe. Wir sind froh, noch rechtzeitig im Trockenen zu sitzen, viele Menschen laufen am Fenster vorbei, nass bis auf die Haut. Das Lokal füllt sich schnell, für den Wirt natürlich gut, für die Veranstaltung ganz schlecht, die fällt buchstäblich ins Wasser, denn der Starkregen dauert fast zwei Stunden. Als es dann endlich nicht mehr regnet machen wir uns auf den Heimweg, wir sind trocken wieder am Wohnmobil angekommen, Glück gehabt, aber es ist schade, dass die Tänzer und Chöre nicht mehr auftreten konnten.

 

 

Samstag, 22. Juni 2013

Es regnet, das darf doch nicht wahr sein, ein verregneter Mittsommer! Bis zum Nachmittag hört der Regen auf, immer wieder ziehen dunkle Wolken vorbei und es weht ein kalter Wind. Trotzdem gehen wir nachtmittags zur Mittsommerfeier nach Västanvik, die Einwohner des kleinen Ortes haben sich viel Mühe gemacht, dieses Fest schön zu gestalten. Ab 15 Uhr wird der Maibaum aufgestellt, Frauen sind noch dabei, das letzte Grün einzubinden, dann setzen kräftige Männer mit langen Stangen den Baum höher und höher, einer gibt dazu die Kommandos und passt auf, dass die Stangen richtig gesetzt werden. Dann endlich steht der Baum, die Musikgruppe spielt auf und nach Kinderliedern tanzen alle, Erwachsene wie Kinder, ausgelassen um diesen Baum herum. Eine fröhliche Stimmung herrscht, es macht Freude, das mitzuerleben, obwohl wir es schon merkwürdig finden, wie die Erwachsenen da als Häschen, Hahn oder Schweinchen herumtanzen. Wir kaufen noch ein Los, gehen dann in den Gemeindesaal und trinken Kaffee und essen von dem leckeren Kuchen, den die Frauen der Gemeinde zur Verfügung gestellt haben. Dann werden Listen ausgehängt mit den Losnummern, die gewonnen haben. Tja,1. Preis geht an Detlef, er hat eine sehr schöne Damenhandtasche gewonnen, ein Designerstück von einer Kunsthandwerkerin aus der Umgebung, Handarbeit! Nicht wirklich unser Geschmack, aber die Schweden lieben dieses üppige Blumendesign halt!  Es hat wieder angefangen zu regnen und wir gehen zurück zum Campingplatz, planen unsere Abreise und die Route für die nächsten Tage.

 

Västanviksbadets Camping, Leksand

Preise:

Platz am See, pro Nacht mit Strom 250 SEK = 2 Nächte, insgesamt 500 SEK (ca. 62 €)

Platz Mittsommerzeit, ohne Seeblick, 3 Nächte mit Strom insgesamt 800 SEK (ca. 100 €)

 

 

 

 

Sonntag, 23. Juni 2013

 

 

Wir verlassen Västernvik, das Wetter ist wechselhaft, ein paar Tropfen gibt's noch zum Abschied, dann geht es Richtung Gesunda, dort soll der Weihnachtsmann wohnen, im Tomteland, hat man uns erzählt. Schon von außen sind wir nicht wirklich überzeugt, dass WIR hier richtig sind, auch drinnen im Shop ist uns überhaupt nicht weihnachtlich zumute. Viel Kitsch und Kram, Trolle mit Schnee auf dem Haupt, ein paar Kerzen und wenig Weihnachtsschmuck. An der Kasse merkt man wohl unsere Unsicherheit, ob das hier was für uns ist und klärt uns dann auf, dass das hier eher was für Kinder ist. Wir sind erleichtert, sparen uns den Eintritt und sehen zu, dass wir hier weg kommen.

 

Zu spät fällt uns ein, dass wir noch auf den Berg bei Gesunda wollten, dort hätten wir dann einen wunderbaren Blick über den See gehabt. Jetzt sind wir auf der E 45 Richtung Karlstad. Zwischendurch machen wir an einem schönen Rastplatz Halt, ein riesiger Hochofen hat uns neugierig gemacht.

Es gibt den Hinweis auf ein Museum, aber wir haben wieder Pech, z. Zt. ist es geschlossen. Vielleicht hätten wir dann in Erfahrung gebracht, was der Hochofen und die Figuren bedeuten.

Am späten Nachmittag erreichen wir Säffle am Vänern, der große Campingplatz ist gut besucht, wir suchen uns einen Platz und checken ein. Die Sanitäranlagen sind sauber und ordentlich, aber einen längeren Aufenthalt würde ich hier nicht machen wollen, irgendwie fehlt dem Platz Atmosphäre.

 

Duse Udde Camping in Säffle, 1 Übernachtung einschl. Strom 300 SEK (ca. 37 €)

 

Tages-km 338

 

 

Montag, 24. Juni 2013

 

 

Brrr, es ist kalt heute Morgen, der Himmel ist mehr grau als blau. Wir planen unsere Rückfahrt, haben uns entschlossen, am Mittwoch Göteborg anzusehen und nachts die Fähre nach Frederikshavn zu nehmen (nachts ist der günstigste Tarif), vorher wollen wir aber noch die Schleusen am Dalslandkanal sehen und natürlich Trollhättan.

 

Von Säffle geht  es auf der E 45 bis Amål, dann biegen wir ab auf die 164 Richtung Bengtfors, am Laxsjön entlang, über Dals Langed bis nach Högsbyn am See Råvarpen. In einem Prospekt über diese Gegend haben wir gelesen, dass es hier "einzigartige Felszeichnungen aus der Bronzezeit" zu besichtigen gibt. Unser Navi kennt diesen kleinen, abgelegenen Ort nicht  und so dauert es eine Weile, bis wir den Hinweis zu diesen Zeichnungen finden. Auf dem Parkplatz steht ein Auto, ansonsten wirkt dieser Ort sehr verlassen, ein kleines Museum in einem Häuschen gibt es, leider alles nur in schwedischer Sprache, also gehen wir durch die Wiesen zu den Felszeichnungen. Verstreut liegen die Felsen auf einer großen Wiese am See. Wir gehen die einzelnen Felsen mit den Zeichnungen ab, es sieht nicht sehr gepflegt aus, eher schon leicht verwittert. Am Eingang haben wir gelesen, dass die Felsen zum Schutz gegen die Verwitterung zeitweise abgedeckt werden, aber davon ist hier nichts zu sehen. Wir gehen bis zum See, es fängt leicht an zu regnen und so suchen wir Schutz unter einem großen Baum. Wir müssen uns eingestehen, dass sich dieser weite Umweg hierher nicht gelohnt hat.

 

 

Unser Weg führt uns dann nach Håverud am Dalslandkanal. Hier gibt es das eigenwilligste und zugleich beeindruckenste Bauwerk Schwedens zu sehen - das Aquädukt von Håvarud, 32,5 m lang, eine über den Stromschnellen schwebende Stahlblechwanne zum Transport der Schiffe. Wir laufen entlang der Schleusen und können das Ausflugsschiff "Nils Ericson" beim Schleusen beobachten. Im Dalsland-Center bummeln wir durch die kleinen Geschäfte, kaufen ein paar Mitbringsel und dann geht es weiter nach Mellerud, dort gibt es einen kleinen Campingplatz auf einem ehemaligen Bauernhof, am Wald gelegen. Im Prospekt steht, dass man dort Chance hat, Elche zu beobachten. Na, da müssen wir doch hin, ich hab noch immer keinen freilebenden Elch zu sehen bekommen.

Am späten Nachmittag erreichen wir Kerstins Camping, wirklich sehr schön gelegen am Waldrand, die Anlagen machen einen gepflegten Eindruck. Es sind nur wenige Plätze besetzt, wir können uns einen aussuchen. Beim Einchecken frage ich, wann und wo man dann Elche sehen kann.  Jaaaaa, also, dafür müsste man mit dem Rad gut 1 Stunde fahren, und am besten sieht man sie dann ganz früh morgens, wenn es anfängt hell zu werden. Aaah ja, das nennt man dann zu Werbezwecken "gute Chance Elche zu sehen". Ich bin schon etwas enttäuscht, aber es ist wirklich schön hier und so vergesse ich diese "Chance" schnell. Als Ersatz kommt dann die Hauskatze und lässt sich beschmusen, ich freu mich drüber, fehlen mir meine drei Schnurrmaschinen doch schon sehr. Die Katze hier ist sehr anhänglich und fühlt sich auch gleich wohl bei uns im Womo.

 

Kerstins Camping, Mellerud, 1 Übernachtung 200 SEK (ca. 25 €), zzgl. Strom 1,40 SEK/Kwh, Dusche 2 x 5 SEK

www.kerstinscamping.se

 

Tages-km 106

 

 

Dienstag, 25. Juni 2013

 

 

Die Sonne lacht, immer wieder schieben sich dunkle Wolken davor, aber es regnet nicht, zum Glück. Wir fahren über die E 45 nach Trollhättan am Göta-Kanal. Wir parken erst einmal am Innovatum Kunskapens Hus und informieren uns im Tourismus-Center. Das Automuseeum von Saab liegt gleich nebenan, aber heute weckt es nicht unser Interesse, wir möchten die Schleusen und die Brücke Oscarsbron sehen.

 

 

 

 

Direkt bei den Schleusen gibt es einen großen Parkplatz, hier stehen schon einige Wohnmobile und wir gesellen uns dazu. Nur ein kurzer Weg und wir sind an den riesigen  Schleusenanlagen, diese und die Schleusentreppen sind eine Attraktion und wirklich sehenswert. Spontan entschließen wir uns, mit dem Schiff eine Kanaltour mitzumachen. Die "Elfkungen" liegt abfahrbereit und wir freuen uns auf die fast 3-stündige Tour durch einen Teil des Göta-Kanals bis an den Vänern und zurück. Eine gemütliche Tour ist es, langsam zieht die Landschaft an uns vorbei.

Diese Tour kostet für einen Erwachsenen 220 SEK (ca. 27 €), der Preis ist ok, es ist eine schöne Fahrt.

Als das Schiff auf eine Eisenbahnbrücke zufährt, sind wir erstaunt: das ist keine Klappbrücke, wie man vermuten könnte, sondern es ist eine Hubbrücke, die insgesamt 27 m hoch gehoben wird. Natürlich dauert es seine Zeit, wie auch bei den anderen kleinen Brücken und besonders bei der Schleuse, die wir passieren.

Wieder festen Boden unter den Füssen, stärken wir uns erst einmal im Café an der Schleuse. Eine überaus freche Krähe bringt die Bedienung hier fast zum Wahnsinn, immer wieder versucht dieser Vogel irgendwo etwas zu stibitzen, sie kann gar nicht so schnell die Teller vor ihm in Sicherheit bringen. Dann nehmen wir die Möglichkeit wahr, an den Schleusen entlang zu gehen. Wir sehen die alten Schleusenanlagen, die Ende des 18. Jahrhunderts gebaut wurden und irgendwann zu schmal für den Schiffsverkehr wurden, und gleich nebenan hat man die neuen, breiten Schleusen gebaut.

 

Zweimal fahren wir über die Oscarsbron-Bücke, damit wir beide Seiten fotografieren können. Er sieht traurig aus, dieser "gezähmte" Wasserfall, der seit dem Bau des Wasserkraftwerkes  nur an bestimmten Tagen im Jahr seine tosenden Wassermassen effektvoll zeigen darf. In der Nähe dieser Brücke sieht man die neugotische Trollhättan-Kirche.

Nachdem wir über die Brücke gefahren sind, finden wir durch Zufall einen Hinweis auf den Aussichtspunkt "Kopparklinten". Vom Parkplatz aus geht ein schmaler Weg durch einen lichten Wald, nach ein paar Minuten kommen wir an den Aussichtspunkt, uns bietet sich ein herrlicher Blick über Trollhättan, den Göta älv und auf das riesige Kraftwerk "Olidanstationen"  des Stromgiganten Vattenfall.

 

Auf dem Rückweg zum Parkplatz ist es dann passiert, den bisher einzigen Mückenstich in diesem Urlaub fang ich mir hier ein, bis zum Abend entwickelt er sich fast hühnereigroß hinter meinem linken Ohr. Många tack för det!

Wir verlassen Trollhättan und fahren auf der 44  Richtung Uddevalla, dann geht es auf die E 6 bis Ljungskile. Im Campingführer haben wir in diesem Ort einen schönen Platz ausgemacht, direkt in den Schären. Wir stehen wieder einmal am Ufer mit Blick auf das Wasser, herrlich.

 

Der CP selbst liegt am Hang dahinter, die sanitären Anlagen sind ein absolutes "NO GO", wirklich, so etwas habe ich noch nicht erlebt. Ein Holzgebäude unterhalb des CP, mehrere Kabinen nebeneienander, die WC's sind dreckig, z. T. kaputt, mit Rissen, die Waschbecken in der WC-Kabine sind ebenfalls dreckig, kaputt, gesplissen oder Ecken rausgebrochen, Wasserhähne hängen aus der Wand, die Kacheln sind seit langem nicht mehr gereinigt worden so auch ebenfalls der Fußboden, einfach eklig. Diese werde ich mit Sicherheit nicht benutzen!!

Zur Entschädigung erleben wir einen traumhaft schönen Sonnenuntergang - kann man das so sagen, denn sie geht ja gar nicht wirklich unter in dieser Zeit.

 

Lyckornas Husvagns Camp, Ljungskile, Preis für eine Übernachtung mit Strom 240 SEK (ca. 30 €), definitiv zu teuer und wegen der unsauberen Sanitäranlagen nicht zu empfehlen.

 

Tages-km 118

 

 

Mittwoch, 26. Juni 2013

 

Der Himmel ist wolkenverhangen, wir rüsten uns zur Heimfahrt. Unseren anfänglichen Plan, uns Göteborg anzusehen und nachts mit der Fähre nach Dänemark überzusetzen, lassen wir fallen. Es regnet in Strömen als wir  Göteborg erreichen, das macht überhaupt keinen Sinn, also erst einmal durchfahren bis Malmö.

 

In Halmstad fahren wir ein Einkaufscentrum an, machen eine größere Pause und kaufen noch für zu Hause ein. Gegen 16:30 Uhr passieren wir Malmö, fahren über die Öresundbrücke (zahlen 47 SEK) und machen kurz hinter Kopenhagen eine Pause, endlich hat der Regen aufgehört. Da wir uns mit dem Fahren abwechseln (alle 2 Std. ca. ist Fahrerwechsel) werden wir jetzt bis Mildstedt durchfahren.

 

An der Mautstation der Störebelt-Brücke will Detlef unbedingt mit den Rädern hinten drauf durchfahren und den Preis für "bis 6 m" zahlen, er meint, es stünde so auf der HP der Brücke. Die Dame am Schalter ist stur, misst nach, 6,12 m, das kostet 50 €. Detlef fährt dann entnervt an die Seite und lädt die Räder in den Innenraum. Jetzt zahlen wir an der Mautstation 33 €.

 

Ich freue mich darauf, auf der Rückfahrt irgendwo in Dänemark einen echten "Hot Dog" zu essen. "Ich verlasse Dänemark nicht, ohne vorher einen Hot Dog gegessen zu haben"  - aber nirgendwo habe ich einen bekommen und musste ohne Hot Dog nach Hause fahren.

 

Wir erreichen unser zu Hause um 22:30 Uhr.

 

Tages-km 755

 

Gesamt-km dieser Reise: 2.707

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© Ingvild Brodersen